Was ist eine Stammzelltransplantation und wie wirkt sie?

Eine Stammzelltransplantation nach einer Hochdosis-Chemotherapie zählt beim follikulären Lymphom nicht zur Standardtherapie und kommt vor allem für junge Patienten in Frage, die frühzeitig einen Rückfall erlitten haben.1 Die sehr aggressive Behandlung soll möglichst alle Krebszellen im Körper vernichten. Allerdings werden bei einer Hochdosis-Chemotherapie im Gegensatz zu einer normalen Chemotherapie auch die blutbildenden Zellen im Knochenmark vollständig und unwiderruflich zerstört. Da die Blutbildung damit unmöglich wird, ist nach einer Hochdosis-Chemotherapie eine Stammzelltransplantation unerlässlich.2 Dabei erhalten die Betroffenen neue Blutstammzellen, die sich im Knochenmark ansiedeln und nach einiger Zeit die Blutbildung wieder übernehmen können.3

Woher kommen die Stammzellen, die übertragen werden?

Beim follikulären Lymphom führen Ärzte normalerweise eine sogenannte autologe Stammzelltransplantation durch. Die Stammzellen kommen dabei nicht von einem fremden Spender. Stattdessen erhält der Betroffene seine eigenen Stammzellen, die ihm vor der Hochdosis-Chemotherapie entnommen wurden. Abstoßungsreaktionen sind bei einer solchen autologen Transplantation nicht zu befürchten.3,4

Bei vielen Menschen ist es möglich, die Stammzellen im Rahmen einer Art „Blutwäsche“, der sogenannten Leukapherese, aus dem Blut zu gewinnen. Um ausreichend viele Stammzellen zu erhalten, muss die Leukapherese in der Regel mehrfach wiederholt werden. Ein stationärer Krankenhausaufenthalt ist hierfür aber nicht erforderlich.2,4 Bei etwa jedem fünften Patienten führt die Leukapherese nicht zum Erfolg. In diesem Fall entnimmt der Arzt Knochenmark mit den darin enthaltenen Stammzellen direkt aus dem Beckenknochen. Dieser Eingriff erfolgt im Gegensatz zur Leukapherese unter Vollnarkose und erfordert einen kurzen Krankenhausaufenthalt.4

Wie läuft eine Stammzelltransplantation ab?

Sind genügend Stammzellen vorhanden, beginnt die Hochdosis-Chemotherapie, die alle im Körper vorhandenen Tumorzellen zerstören soll. Um den Nebenwirkungen dieser aggressiven Chemotherapie möglichst gut vorzubeugen, erhalten Sie in dieser Zeit zahlreiche unterstützende Medikamente. Ist die Chemotherapie abgeschlossen, werden die Blutstammzellen entweder mittels einer kurzen Infusion oder Injektion über eine Vene in den Blutkreislauf gebracht. Nach der Infusion wandern die Stammzellen im Laufe von ein bis zwei Tagen aus dem Blutkreislauf in das Knochenmark und siedeln sich dort an. Schon nach etwa zwei Wochen sind im Blut die ersten reifen weißen Blutkörperchen nachweisbar, die aus den neuen Stammzellen entstanden sind.2,3,4

Welche Risiken und Nebenwirkungen hat eine Stammzelltransplantation?

Nebenwirkungen treten bei der Stammzelltransplantation vor allem aufgrund der vorangehenden Hochdosis-Chemotherapie auf. Neben den typischen, relativ kurzfristigen Nebenwirkungen einer Chemotherapie führt diese sowohl bei Männern als auch bei Frauen meist zu einer bleibenden Unfruchtbarkeit. Frauen kommen oftmals früher als gewöhnlich in die Wechseljahre. Eine der wichtigsten Nebenwirkungen der Stammzelltransplantation bzw. der vorangegangenen Chemotherapie ist jedoch eine extrem hohe Infektanfälligkeit, da der Körper nicht mehr in der Lage ist, neue Blutzellen – und damit auch die für die Immunabwehr zuständigen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) – zu bilden. Insgesamt dauert es nach der Stammzelltransplantation etwa zwei Wochen, bis die ersten Leukozyten herangereift sind.5,6

Stammzelltransplantation – und dann?

Auch wenn die eigentliche Stammzellspende ein kleiner Eingriff ist, hat diese sehr langfristige Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Zunächst zieht die Stammzelltransplantation unausweichlich einen langen Krankenhausaufenthalt nach sich. Dies liegt unter anderem an den zahlreichen Behandlungen und Untersuchungen, die in dieser Zeit notwendig sind. Vor allem aber erfordert die vollständige Zerstörung der blutbildenden Zellen erhebliche Schutzvorkehrungen, denn sie bringt die Immunabwehr für einige Zeit nahezu vollständig zum Erliegen. In den ersten Wochen nach dem Eingriff sind Sie deshalb auf einer Isolierstation in einem speziellen, keimfreien Krankenzimmer untergebracht, um Sie bestmöglich vor Krankheitserregern zu schützen, die in dieser Zeit lebensbedrohlich werden könnten.3

Der lange Aufenthalt auf der Isolierstation macht vielen Menschen zu schaffen. Viele Patienten sind in der ersten Zeit zu schwach, Besuch zu empfangen – auch wenn dies grundsätzlich auch auf der Isolierstation möglich ist. Sie fühlen sich dadurch häufig alleine. In dieser Zeit kann es helfen, regelmäßig mit Familie und Freunden zu telefonieren oder Briefe und E-Mails zu schreiben. Nehmen Sie einige persönliche Dinge mit ins Krankenhaus, um eine angenehmere Atmosphäre zu schaffen, und zögern Sie niemals, in der schwierigen Situation Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auf den meisten onkologischen Stationen arbeiten Psychologen, die Ihnen bei Bedarf zur Seite stehen können.5 Außerdem bemerken die meisten Patienten bereits zwei Wochen nach der Transplantation, dass sich ihr Zustand zunehmend verbessert. Oftmals ist dies auch ein erstes und ermutigendes Anzeichen für den Erfolg der Transplantation, denn die neuen Immunzellen beginnen nun, ihren Dienst zu verrichten.3

Wenn sich Ihre Blutwerte und insbesondere die für die Immunabwehr zuständigen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ausreichend stabilisiert haben, dürfen Sie Ihr Zimmer auf der Isolierstation wieder verlassen. Dies ist in der Regel nach etwa vier Wochen der Fall. Bis das Immunsystem vollständig intakt ist, dauert es allerdings bis zu einem Jahr. Auch nach dem Krankenhausaufenthalt ist es deshalb noch für längere Zeit wichtig, bestimmte Empfehlungen und Verhaltensweisen einzuhalten.

Beispielsweise wird es Betroffenen empfohlen:7,8

  • Zimmerpflanzen aus dem Wohn- und Schlafraum zu entfernen und Gartenarbeit zu vermeiden, da die Erde Pilzsporen enthalten kann;
  • engen Kontakt zu Haustieren vorübergehend zu meiden (sich beispielsweise nicht „küssen“ und ablecken zu lassen), sich nach jedem Kontakt gründlich die Hände zu waschen und Käfige und Toiletten nicht selbst zu reinigen;
  • großen Menschenansammlungen so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen (beispielsweise überfüllte öffentliche Verkehrsmittel).

All diese Maßnahmen sollen das Infektionsrisiko senken, können aber möglicherweise auch die Lebensqualität beeinträchtigen. Versuchen Sie dennoch, nach einer Stammzelltransplantation positiv in die Zukunft zu blicken und zuversichtlich zu bleiben. Führen Sie sich dazu immer wieder vor Augen, dass die Maßnahme eine große Heilungschance darstellt. Ist das kritische erste Jahr überstanden, können Sie wieder ein nahezu normales Leben führen.